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Mark van Huisseling trifft Iria Degen

Geposted am 01. Dezember 2016

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Was man von der Unternehmerin lernen kann – nicht bloss über Innenarchitektur.

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 Innenarchitektin und Gestalterin Degen. (Bild: Nathan Beck für die Weltwoche)

 

Dein Stil ist aufgeräumt, reduziert, understated. Also so etwas wie der Gegenentwurf zu vielem, was man sonst so sieht. Ist unsere Umwelt – die oft unaufgeräumt, überladen und laut ist – eine Beleidigung deines Geschmacks?» – «Nein, überhaupt nicht. Man beobachtet, was andere [Innenarchitekten, Designer etc.] machen und was in der Welt vorhanden ist. Aber man setzt das nicht in Relation zu sich; ich habe nicht das Gefühl, ich müsste das, was mir nicht gefällt, verbessern. Im Gegenteil, Vielfalt finde ich etwas Schönes. Ich find’s gut, wenn etwas in sich stimmt. Ob das mein Stil ist oder nicht, ist mir eigentlich egal. Wichtig ist, dass man sieht: Da hat sich jemand Gedanken gemacht.» – «Du bist grosszügig, ich denke oft: ‹Das müsste man renovieren, dieses aufräumen und jenes wegwerfen ...›» – «Damit geh’ ich locker um. Ich denke, ich hab ein Talent, Gutes, qualitativ Wertiges zu erkennen – und das andere kann ich sehr einfach ausblenden.» – «Das macht glücklich, denke ich.» – «Ja, es ist ein Glücksgefühl. Aber Glück findet man in sich, dazu braucht es keine anderen. Wenn man das erkennt, ist die Welt immer rosarot und das Glas immer halbvoll.»

«Iria Degen beschäftigt ein Team von zehn bis vierzehn Innenarchitekten, Architekten und Designern, die international sowohl private als auch öffentliche Projekte bearbeiten», steht in ihrem Profil bei Swiss-Architects, einem Online-Branchenverzeichnis. Sie ist etwa verantwortlich für die Gestaltung des Restaurants «Metropol» oder der Klinik Hirslanden in Zürich, des Hotels «Pullman Basel Europe» oder der Novartis-Geschäftsleitungsbüros in Basel, des Thermalbads Zurzach oder der Zimmerli-Ladengeschäfte weltweit. Vor einiger Zeit beschrieb sie ihren Stil auf ihrer Website als «puristisch und dennoch sinnlich» – das trifft es, finde ich. Vor einigen Jahren habe ich sie und ihre Arbeit in der Stil-Beilage der Weltwoche als Beispiel für Zurückhaltung beschrieben; sie und ich sind bekannt miteinander. Ihr Unternehmen befindet sich in Zürich, ausserdem hatte sie bis vor einigen Jahren ein Büro in Paris, wo sie zehn Jahre lebte und ihre Laufbahn bei der Innenarchitektin Andrée Putman begann (sie studierte zuvor Jus in Zürich). Vor kurzem hat sie mit einer Geschäftspartnerin den Webshop Theroomers.com gegründet, es werden zum Teil von ihr entworfene Accessoires und Objekte angeboten. Iria Degen hat zwei Kinder und lebt in Zürich.

«Was machst du, wenn dich jemand beauftragt, sein Haus neu zu gestalten, und du dem Kunden sagen möchtest, dass du alles, was er im Augenblick hat, rauswerfen oder ersetzen müsstest, damit das Ergebnis deiner Vorstellung entspricht?» – «Was Kunden von mir erwarten, glaube ich, ist ein intaktes Gesamtbild. Etwas, was sie selber nicht definieren könnten, was ihnen aber gefällt, wenn sie es dann sehen. Aber das [Ergebnis] erarbeiten wir im Dialog, es ist nicht so, dass ich hingehe und sage: ‹So machen wir’s jetzt.› Das ist nicht die Realität und wäre auch nicht nachhaltig. Es ist ein Dienstleistungsgedanke, ich mache die Innenarchitektur für jemanden, ich bin nicht die, die sich dann jeden Tag an den Räumen erfreut – oder sich darüber nervt. Drum, sogar wenn ich finden würde, man müsse alles rausreissen, würd ich’s nicht direkt so sagen, jedenfalls nicht am Anfang. Das sind soft skills, die es braucht und die fast die Hälfte der Qualität unseres Angebots ausmachen.»

«Kann ein Trademark-Stil, wie du ihn hast, zur Belastung werden? Besteht die Gefahr, dass man sagt: ‹Wieder ein typisches Iria-Degen-Interior›?» – «Da liegt es auch an mir, mich weiterzuentwickeln, Trends zu verfolgen, offen zu bleiben für den gesellschaftlichen Wandel und diese Offenheit zu signalisieren. Ich finde, wir haben Kontinuität im Stil, über eine längere Zeit, aber unsere Projekte unterscheiden sich komplett voneinander. Natürlich bringe ich mich immer ein, aber das garantiert auch Zuverlässigkeit.» – «Was passiert mit der Firma Iria Degen Interiors, wenn Iria Degen, aus was für Gründen auch immer, mal nicht zur Verfügung steht?» – «Ich hab sehr viel delegiert an mein eingespieltes Team, das ist mehr eine interne Sache. Aber ich habe, auch gegen aussen, eine Supervisorin für öffentliche Projekte eingesetzt.» – «Deine Firma würde also laufen ohne dich?» – «Absolut; sicher würde ich vermisst werden, es ist ja mein Name, was auch schön ist. Und ich bin die Einzige, die nicht künden kann. Aber meine Mitarbeiter wären nicht aufgeschmissen ohne mich.»

Ihre liebsten Restaurants: La Salle, Schiffbaustrasse 4, Zürich, Tel. 044 258 70 71; Monsieur Bleu, 20, avenue de New York, Paris, Tel. +33 1 47 20 90 47

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